Falke

Ein Habicht für Anfänger

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Thorsten und ich sind Jäger, Imker (Imkerei RüBees) und leben in Hünfeld im Hessischen Kegelspiel. Seit 2018 beschäftigten wir uns mit der Falknerei und dem Greifvogelschutz. Von Anfang an war klar, dass wir eigene Vögel abtragen und jagdlich fliegen wollen. Zur Vorbereitung auf die Falknerprüfung haben wir die Seminare des ODF Hessen besucht. Nach meiner bestandenen Prüfung 2019 in Thüringen, Thorsten hat seine Falkner-Prüfung in Weilburg/Hessen Ende August 2020 bestanden, haben wir in unserem Garten eine überdachte Flugdrahtanlage errichtet.

Ein paar Tage später dann die Überraschung. Berthold Geis bot uns an, ein Rot-Habichtsweib zur Pflege abzutragen. Der Habicht hatte sich in einen Taubenschlag verirrt und dabei am Flügel verletzt und war stark abgekommen. Zunächst wurde nur vom Block geatzt und sie nahm im Gewicht zu. Die Verletzung verheilte nach und nach. Nach gut vier Wochen konnten wir sie das erste Mal von der Faust atzen. Beim ersten Mal auf der Waage hatten wir ein Gewicht von 1.360 Gramm!!!

Von nun an wurde jeden Tag immer zur gleichen Zeit rund eine Stunde mit ihr gearbeitet. Spaziergänge im Dorf, Gewöhnung an Hunde, (Foxterrierzucht vom Quecksmoor Antsanvia) Autos und Mitmenschen. Die Abstände von der hohen Reck zur Faust wurden immer größer. Zwei Wochen später flog sie dann zum ersten Mal an der Lockschnur auf die Faust mit einem Abstand von 15 Metern. Ein tolles Gefühlt und auch ein Beweis, dass man bis dahin auf dem richtigen Weg ist.

Mitte November waren wir dann bei einem Abstand von 40 Metern, den sie ohne Probleme bewältigte. Ihr Jagdgewicht liegt bei 1.030 Gramm – die tägliche Atzungsmenge lag bei 70 Gramm. Das Gewichtsmanagement empfanden wir recht schwierig. Als Atzung hat sie Wachteln, Küken, Ratten, Kaninchen, Putenhälse, Kaninchenköpfe und Rabenkrähen bekommen. Im Dezember gelang es uns aufgrund günstiger Gelegenheiten ein paar Rabenkrähen zu erbeuten. Anfangs fehlte es ihr noch an Schärfe richtig zuzugreifen. Nach einiger Gegenwehr der Krähen wurde dies von Mal zu Mal besser. Als wir im Februar den starken Frost hatten (-21 Grad), durfte sie sichtlich erfreut im Keller übernachten.

Zu diesem Zeitpunkt hatten wir auch ein Sperber Weib zur Pflege. Da wir auch Mitwirkende beim „Rotmilan Artenhilfsprojekt“ sind, hatte ich dieses in einem Sturm neben der Landstraße gefunden. Es war abgekommen und hatte ein Anflugtrauma.

Sie wurde zunächst zwangsgefüttert (Hühnerbrust in Eigelb eingelegt). Nach einer Woche nahm sie die Atzung selbstständig von der Pinzette. Wir konnten Sie nach 16 Tagen wieder frei lassen.

Unser tägliches Training mit dem Habicht seit Februar besteht aus Vertical Jumping und Flug an der Lockschnur. Mitte April haben wir die Flugdrahtanlage zur Hälfte überdacht, weil sie angefangen hat, stark zu fremdeln und oft abgesprungen ist bei Störungen. Sie sucht seitdem mehr die Ruhe. Am 10. Mai fiel die erste Penn. Das Habichtsweib soll nach der Mauser wieder frei gelassen werden. Unser Harris Weib ist Anfang Mai geschlüpft. Wir freuen uns den Vogel Anfang August 2020 bei Berthold Geis abholen und dann abtragen zu können.

Wir möchten uns nochmal bei allen ODF-Falknern bedanken, von denen wir zum Start viele gute Tipps und Unterstützung bekommen haben.

Verena und Thorsten Rübsam
ODF Hessen

veröffentlicht am Donnerstag, 17. Juni 2021