Falke

Erste Beizjagd für mich im ODF Hessen

Ein zweifacher Erlebnisbericht von Margarete Heidler und Sandra Peruzzi.

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Was hat es damit auf sich, wenn sich 15 Frauen mit vier Harris Hawks und dem Vorsitzenden der Komturei Hessen durch dichten Brombeerbewuchs schlagen? Es ist die zweite Beizjagd nur für Frauen in diesem Jahr, die im November 2021 bei kaltem, aber sonnigem „Kaiserwetter“ stattfand – und für mich war es als ODF-Hessen Neumitglied zudem die erste Beizjagdteilnahme überhaupt. Gerade noch in der Jungjägerausbildung mit Ausblick auf die darauffolgende Falknerprüfung im nächsten Jahr, war die Frauenbeizjagd für mich eine gute Gelegenheit um Erfahrungen zu sammeln, die mir von Berthold Geis dankenswerter Weise angeboten wurde. Nach einer Begrüßung durch Berthold mit der organisatorischen Aufforderung an die Frauengruppe, sowohl das Springen von Kanin als auch das Entdecken von Bauzugängen laut und deutlich anzuzeigen, ging es auch direkt los.

Und wie und etwas überraschend – für das gut überschaubare Gelände und die Anzahl der Beteiligten machte eine breit aufgestellte Streife Sinn. Gesagt, getan – wir zogen los und waren gerade noch dabei, uns mit entsprechenden Abständen in eine Reihe zu verteilen als bereits der erste „KANIIIIN“-Ruf erschallte. Rebecca Ohnesorge‘s Beizvogel „Mary“ war als erster frei und konnte das Kanin auch direkt schlagen. Das war ein toller Einstieg – leider verlief der Rest des ersten Teils unserer Jagd dann etwas zäher. Dies lag vor allem daran, dass das Gelände mehr oder weniger flächendeckend mit dichtem Brombeerbewuchs bedeckt war, was eine Herausforderung für Stiefel und Hosen, aber auch für die Kanin und die beteiligten Greifvögel darstellte.

Noch drei bis viermal erklang der Ruf „Kanin“, doch konnten die Vögel auch aufgrund des Bodenbewuchses nicht zu diesen durchdringen oder zugreifen. Selbst für die Kanin war es schwierig sich durch das Dickicht fortzubewegen, trotzdem bot ihnen die Deckung wehrhaften Schutz gegen die Beizvögel. Obwohl immer wieder in einige Baueingänge Frettchen hineingeschickt wurden, gab es zunächst keine Jagderfolge mehr. Kurz vor der Mittagspause, wir waren schon am letzten Feldstück, das es abzugehen galt, gab es noch einen Überraschungserfolg. Dies galt sowohl für den beteiligten Harris-Hawk Jungvogel als auch für Jungfalknerin Ayla Uhrig, die beide erstmals einen Beizerfolg für sich verbuchen konnten! Strategisch gut vorbereitet durch die erfahrene Falknerin Milena Wohlfahrt wurde ein Frettchen in einen Bau gesetzt und Ayla mit Bertholds Vogel perfekt positioniert, so das ein junges Kaninchen schnell geschlagen werden konnte. Ayla und der Beizvogel waren sehr stolz und glücklich und die nun offiziell benannte „Kira“ durfte sich auf ihrer ersten geschlagenen Beute überhaupt einen vollen Kropf können.

Nach gut zwei Stunden war dann erst einmal Mittagspause angesagt. Ein gemütliches Beisammensitzen mit spannenden Gesprächen und Erzählungen sowie vielen mitgebrachten Leckereien entlohnte alle Beteiligten ein wenig, bevor es in die zweite Runde der Beizjagd ging. Diesmal wurde das L-förmige Feld von der linken Seite aus angegangen und tatsächlich konnte „Mary“ ein zweites Mal erfolgreich ein Kanin beizen. Ich war beeindruckt von der Art, wie „Mary“ gejagt hatte, denn es startete nämlich vorher auch Harris-Hawk „Harry“, der aber über das Kanin hinweg strich. „Mary“ nutzte aus der Flanke heraus dann ihre Chance und schlug das Kanin. Sehr effizient und ökonomisch in der Krafteinteilung! Das Abfangen gestaltete sich aber leider etwas schwieriger, weil „Mary“ das Kanin am Kopf im festen Zugriff hatte und mit ihrem rechten Fang das Jagdmesser von Rebecca geschickt abwehrte. Schließlich konnte Rebecca das Kanin aber abfangen und später versorgen.

Wenn es am schönsten ist, soll man aufhören und so beendeten wir die Jagd – nicht ohne einen „Kalten Flügel“- Kräuterlikör für u.a. Berthold und Ayla, mit dem man auf den erfolgreichen ersten Beizjagderfolg anstieß. Den Kräuterlikör gab es vor 12 Jahren auf der Bundestagung des Orden Deutscher Falkoniere in Horstmar, zum damaligen 50jährigen Bestehen des ODF. Nur bei und für „ganz besonderen Anlässe“ wird der gute Tropfen dann „zur Anwendung“ gebracht.

Es war am Ende auch allen wichtig, sich bei Berthold für die super Organisation und Durchführung zu bedanken – das war sicher nicht wenig Arbeit und Aufwand, die Teilnahme zu ermöglichen! Alles in allem für die Beteiligten ein gelungener Tag und für mich persönlich ein toller Einstieg in die Welt der Beizjagd. Mit einer Reihe von ebenso tollen Frauen, die mich sehr offen und freundlich in die Gruppe aufgenommen haben. Vielen Dank dafür! Es ist schon ein großer Unterschied, ob man die Beizjagd im Fernsehen oder im Internet anschaut oder ob man „live“ dabei ist. Viele Fragen, die sich mir vorher gestellt hatten – auch hinsichtlich der Frage, ob es mir was ausmachen würde, direkt dabei zuzuschauen wie ein Kanin geschlagen bzw. abgefangen wird, haben sich für mich geklärt.

Eines ist mir vor allem, neben dem harmonischen Zusammentreffen der vielen Frauen, die mit unterschiedlicher Erfahrung an dieser Beizjagd teilgenommen haben, aufgefallen und verdient daher für mich zum Schluss meines Berichts der besonderen Erwähnung: Es ist sicher nicht selbstverständlich, dass ein Falkner seine Beizvögel so großzügig anderen Personen zum Jagen überlässt – dafür gebührt Berthold gehöriger Respekt und Dank. Denn das zeigt doch, wie wichtig ihm die Vermittlung und damit Weitergabe der Beizjagdtradition ist. Sandra Peruzzi

Bilder von: Susanne Minneker, Stephanie Balk, Anja Kram, Berthold Geis, ODF Hessen
Text von: Margarete Heidler und Sandra Peruzzi, ODF Hessen

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veröffentlicht am Freitag, 19. November 2021