Falke

Frettieren will gelernt sein!

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Was wären die Beizvögel während der Jagd auf Kanin ohne ihre kleinen Helferlein – die Frettchen?

Wie wichtig und nützlich die domestizierten Iltisse als Jagdgehilfen sind, durfte ich (Sandra Peruzzi) bei meiner zweiten Beizjagd auf Kanin (z.Z. in der Jungfalknerausbildung im ODF Hessen) gemeinsam mit Berthold Geis und Stephan Diefenbach erfahren.

Meine Rolle bei dieser Jagd, unter anderem der Tatsache geschuldet, dass ich linkshändig bin und mir selbst noch keinen entsprechenden Handschuh angeschafft hatte, war es, die sechs von Berthold mitgebrachten Frettchen jeweils in die aufgesuchten Kaninchenbaue in die Röhren einzusetzen und sie auch wieder einzusammeln, wenn sie an anderer Stelle wieder auftauchten. Eine Arbeit, die dem oft zitierten „Flöhe hüten“ glich, aber gleichzeitig sehr viel Spaß gemacht hat! Auch dieses Mal habe ich sehr viel lernen können und es passierte auch einiges, was sicher nicht alltäglich ist …

Die Frettchen waren auf leichte Alu-Trageboxen aufgeteilt und es war zeitweise eine Herausforderung, die kleinen, wendigen Tierchen jeweils nach ihrem Einsatz wieder in die Kästen zu bekommen. Man glaubt gar nicht, was die alles anstellen, um nicht mehr rein zu müssen! Aber man wächst bekanntlich mit seinen Aufgaben. Gut, dass ich kältebedingt Lammfellhandschuhe anhatte, ich wurde nicht gekratzt oder, was schlimmer gewesen wäre, gebissen. Berthold hatte hier weniger Glück: Als wir kurz nach dem Einsetzen eines Frettchens ein Kanin an einem Bauausgang klagen hörten, griff Berthold schnell und beherzt in die Röhre, um das Frettchen davon abzuhalten, selbst das Kanin zu erlegen. Dies wurde seitens des Frettchens durch einen Biss in seinen Daumen quittiert, weil er es wohl zu unsanft gedrückt oder gezogen hatte und dann war es wieder im Bau verschwunden. Es ist unglaublich, wie stark das geblutet hat! Dabei ist mir deutlich der Begriff „Raubwild“ klargeworden – die kleinen Zähne der Frettchen sind enorm scharf.

Interessant zu sehen war auch, dass die Frettchen eine gewisse Konstitution haben müssen, damit sie Lust haben, in den Bau zu gehen und Kanin herauszutreiben: Sind sie zu hungrig, muss man damit rechnen, dass sie selbst zum Jäger werden. Sind sie hingegen zu satt, haben sie keine Lust zu jagen und wollen lieber spielen. Diesen Spieltrieb durfte ich auch erleben – eines der Frettchen hatte geradezu „Fang mich“ mit uns gespielt: Es tauchte auf und wenn man es greifen wollte, war es flugs wieder im Bau verschwunden. Es mussten einige Tricks angewendet werden, unter anderem mit einer kleinen „Angel“, eine Schnur an die ein Stückchen Fleisch angebunden war. Wenn das Frettchen hier einmal zubeißt, lässt es in der Regel nicht mehr los und man kann es somit aus der Röhre „angeln“! Man muss Geduld haben – nicht nur mit den Greifvögeln, sondern auch mit den Frettchen. Meine gute Hose mit angenehm gepolsterter Kniepartei war übrigens ein sehr hilfreiches Kleidungsstück beim Frettieren, denn man liegt ständig auf den Knien, um die kleinen Kerlchen einzusammeln.

Zurück zu unserem selbst jagenden Frettchen, das Berthold verletzt hatte … es kam und kam nicht mehr aus dem Bau! Also was konnten wir tun? Berthold ließ Stephan einige Drahtreusen aus dem Auto holen und Stephan setzte die Fallen in alle (6) Bauröhren ein. In den Reusen ist eine Rückschlagklappe angebracht, die verhindern soll, dass ein Frettchen, einmal in diese hineingelaufen, rückwärts wieder heraus kann. Nun hieß es nur noch Abwarten und … Mittagspause machen. Berthold wurde verarztet und wir saßen eine Weile in gemütlicher Runde zusammen beim Essen.

Auch danach war unser verschollenes Tierchen nicht wieder aufgetaucht. Berthold machte sich inzwischen Sorgen und so kam die Idee auf, nach dem Frettchen zu graben. Es hätte ja auch im schlechtesten Fall in einer Sackröhre hinter dem eventuell erlegten Kanin eingeklemmt sein können. Stephan packte also den Klappspaten aus und legte los – da Kanin sandige Böden bevorzugen und das Gelände entsprechend lockere Erde aufwies, war der Boden trotz Kälte recht gut zu bearbeiten. Wir waren inzwischen mit den verbliebenen Frettchen und drei Harris-Hawks auf einem etwas weiter entfernten Abschnitt des Geländes. auf der Jagd. Nach einer Weile hielt Stephan eine Reuse hoch – er hatte das Frettchen gefangen! Was war passiert? Eigentlich nichts! Es war schlichtweg im Bau eingeschlafen und blickte uns nun mit müden Augen an! Erleichtert lachten wir alle über diese „Aufweckaktion“ und waren froh, dass nichts Schlimmeres mit dem Frettchen passiert war und es unverletzt geborgen werden konnte.

Was ist mein Fazit für diesen Jagdtag? Frettieren macht, trotz aller Widrigkeiten, viel Spaß und die kleinen Kerle erledigen eine wichtige Arbeit für ihre Falkner. Im Zusammenspiel mit den Greifvögeln eine erstaunliche Symbiose – auch wenn man für beide Tierarten Geduld und gute Nerven braucht! Es ist großartig zu erleben, dass sich diese beiden so unterschiedlichen Wildtiere mit Menschen gemeinsam auf die Jagd begeben und ein Vertrauensverhältnis aufbauen, das den Jagderfolg ermöglicht.

Beizjagd ist einfach wunderbar!

Sandra Perruzi
ODF Hessen

veröffentlicht am Samstag, 08. Januar 2022