Falke

Kaninbeizjagd bei Heinz Brüske

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Der Name Heinz Brüske ist in der Falknerszene ein Begriff. Seit mehr als 50 Jahren betreibt Heinz die Falknerei, in den letzten Jahrzehnten hauptsächlich die Anwarter-Falknerei mit Ger- und Wanderfalken.

In Düsseldorf wohnend hat er sich in seinem eigenem Revieren durch entsprechende Hegemaßnahmen ein wahres Niederwildparadies geschaffen. Hier findet man ihn mit seinen vier Pointerhündinnen mehrmals wöchentlich auf der Beizjagd mit seinen Anwarterfalken. In der Beizsaison ist Heinz auch in mehreren europäischen Ländern auf Reisen, um seine Leidenschaft für und mit den Falken zu „leben“! Sein “Beizauto“ und die entsprechenden Volierenanlagen beim Wohnhaus für Falken und Hunde, hat er extra hierfür umgebaut.

Im Haus selbst springt einem in jedem Raum das Thema Falknerei förmlich entgegen. Großformatige Falknereigemälde, kunstvolle Falkenhauben entsprechend in Glasvitrinen mit Beleuchtung in Szene gesetzt, Originalbilder von Renz Waller an den Wänden, Fotos, Skulpturen usw. Man muss es einfach gesehen haben wie stilvoll dies alles arrangiert ist.

In und an den Außenanlagen für die Falken und die Hunde mangelt es an nichts, alles was für diese bzw. die Beizjagd dazu gebraucht wird, ist sehr ordentlich und in mehrfacher Ausführung vorhanden und angebracht. Die kunstvolle Ausübung der Anwarter-Falknerei ist Heinz ein Anliegen, das er auch an entsprechend interessierte FalknerInnen weiter gibt. Erinnert sei hier nur an das vor zwei Jahren statt findende Anwarter-Seminar, das er auf seinem Anwesen abhielt und das schnell ausgebucht war.

Mit Heinz und seinen Falken wollte ich eigentlich einige Filmszenen drehen und diese in die vom ODF Hessen vor ca. 3 Jahren entstandene DVD „Falknerei- erleben und verstehen“ einfügen. (Über mich zu bekommen) Doch irgendwie kam immer etwas dazwischen, das Jahr 2020 konnte man ganz vergessen wegen Corona. Heinz hatte seine Beizfalken auch entsprechend gar nicht groß geflogen, vor allem die sonst üblichen Reisen zu den Beizjagden im Ausland wurden komplett abgesagt. Und einfach seine Falken nur mal so fliegen, das kam für so einen „Ästhet“ wie Heinz natürlich nicht in Frage, wenn, dann sollte alles perfekt sein. So wurde wieder einmal alles verschoben, aber nicht aufgehoben.

Aber wieso lautet die Überschrift dieses Beitrages den Kaninbeizjagd, wenn bis hier doch nur von Anwarterfalknerei geschrieben wird? Nun hat Heinz in seinem Revier auch Stellen, wo noch reichlich Kanin vorkommen, den seine Hegemaßnahmen kommen dem gesamten Niederwild zu Gute. Und seine ausgesprochene Einladung zur Kaninbeizjagd nahm ich so auch gerne an. Bei uns in Hessen und sicher wie fast überall, sind die entsprechende Bestände der Kanin ziemlich zusammen gebrochen. Nur noch an wenigen Stellen ist eine Kaninbeizjagd noch möglich und so bin auch ich nicht gerade verwöhnt was dies betrifft.

Man muss die Kaninchen bei meinen Möglichkeiten schon entsprechend „suchen“, mit Hilfe der Frettchen kann man dann mal ab und zu welche zum „springen“ bewegen. So fuhr ich dann auch ohne große Erwartungen zu Heinz mit meinen beiden erfahrenen Harris-Hawk, (Terzel und Weib) und den Frettchen. Freund und Nachbar Günther Schöner kam auch mit, er kennt sich mittlerweile durch zahlreiche Foto – und Filmaufnahmen für und mit dem ODF Hessen in der Materie aus und sollte auch diesmal dabei sein.

Heinz erwartete uns schon, bei ihm war noch Lennard Schmiese, der seine Falknerprüfung noch ablegen möchte und bei Heinz sozusagen in die „Lehre“ geht. (Besser kann er es nicht treffen). Ja und Petra schien Günther und mich ebenfalls schon zu erwarten, ihre Einladung zu einem Frühstück bevor es los ging, nahmen wir gerne an. Der Frühstückstisch war überreichlich gedeckt, es fehlte an nichts! Ich konnte mich gar nicht so richtig auf dieses Köstlichkeiten konzentrieren. Den meine Augen schweiften überall im Raum herum um die ganzen Falknereigegenstände und Kunstwerke in Augenschein zu nehmen und durch meine ständigen Fragen kam ich auch gar nicht richtig zum Kauen.

Nach einem kurzen Rundgang und in Augenscheinnahme der Kammern und Volieren fuhren wir dann ins nahe gelegene Revierteil, wo reichlich Kanin vorkommen sollten. Das Wetter war etwas windig und nass, aber das machte mir keine großen Sorgen. Ich weiß ja was meine Harris leisten können.

Ja, und dann kam das, wo einzig und alleine ich, der Falkner für verantwortlich bin und hier auch gar nicht entschuldigen oder beschönigen will! Gut, meine beiden Harris hatte ich in den letzten Wochen kaum geflogen, worauf auch. Ab und zu mal freie Folge, mehr auch nicht. Das kann man mit ziemlich hohen Gewicht bei einem Harris machen. Gut, sie waren beide „heute“ etwas zu hoch in der Form. Gut, das Wetter und der Wind und die weite Anreise…. Ja lieber Leser, man merkt schon, ich suche doch nach Ausflüchten warum es den nicht so klappte mit der Beizjagd wie ich mir so vorgenommen hatte.

Gewohnt sind und bin ich mit meinen Harris und mit mir die entsprechenden FalknerkollegenInnen mit folgendem Ablauf, wen wir gemeinsam auf die Kanin-Beizjagd gehen: Harris auf die Faust, Kaninbaue suchen, Frettchen rein, Bau leer, weiter suchen, Bau wieder leer und nach 1-2 Stunden springt mal ein Kanin. Ja und hier war das gaaaanz anders. Lennard gab ich den Harristerzel auf die Faust, ich nahm das Weib und die Frettchen in der Umhängekiste und los ging es in einer Streife. Petra, Heinz und Günther neben und hinterher, wo sind jetzt die Kaninbaue? Heinz sagte mir zwar, das hier überall Kanin liegen, auch draußen im Freien, weil er diese kaum bejagt. Bei dem Wetter und ja, ja, lass uns erst mal zu einem Bau kommen dachte ich noch.

Plötzlich, wir waren noch keine 20 Meter vom geparkten Auto weg gekommen, flog mein Harristerzel seitlich an mir vorbei. „Oh man Lennard, hast ihn sicher nicht richtig fest gehalten und er ist abgesprungen?“ „Nein, da war ein Kanin, deshalb ließ ich los!“ Gleichzeitig rief Petra, „da springt wieder eins“ und Heinz zeigte noch ein weiteres flüchtende Kanin an. Ich wusste gar nicht wohin ich zuerst schauen sollte und ließ das Harrisweib einfach fliegen. „Sally“ war in diesem Moment genau so verblüfft wie ich und „schwebte“ lustlos hinter dem Kanin her. Ja toll, ganz toll, welch ein Auftakt und welche Blamage für mich und meine Vögel. Damit hatte weder ich noch meine Harris gerechnet das es sooo schnell los ging. Beide hatten ca. 100 m entfernt aufgebaumt und waren nur schwer wieder runter zu locken auf die Faust. Also ging ich näher zu ihnen hin, (wieder ganz toll) um es Ihnen einfacher zu machen. Dabei machte ich weitere Kanin hoch, denen meine Beizvögel von oben im Baum völlig entspannt und desinteressiert zuschauten, wie sie davon sprangen. Ich hätte im Boden versinken können! Aber dazu hatte ich ja noch keinen Kaninbau gefunden…

Nachdem beide Vögel nach allerlei gutem Zureden und Tricks wieder auf der Faust standen, erklärte ich zwischendurch sämtliche Möglichkeiten, warum es diesmal nicht geklappt hatte! Günther hatte nun seine Kamera einsatzbereit, weil auch er noch nicht mit so einem schnellen Auftakt rechnete. Nun ging es dann weiter im Gelände, nämlich genauso blamabel für mich wie bisher. Kanin sprangen von links und rechts, die Harris flogen wieder lustlos hinterher und waren auch kaum zurück zu rufen. Normalerweise hätte ich jetzt gesagt, ok, das war`s für mich, sollen andere Beizvögel fliegen. Aber wir hatten ja nur diese beiden Harris dabei.

Ich schlug Heinz deshalb vor, jetzt erst mal unser Glück an Bauen zu versuchen. Das kennen ja meine Harris, sie sehen die Frettchen einschliefen und wissen dann was passiert. Das klappt, sicher! Heinz kannte gute Baue, die immer belegt sind, sogenannte Elfmeterbaue! Also erster Bau, Frett rein, gespanntes warten…, und weiter warten…, immer noch warten…. Nach gefühlt einer halben Stunde, äh ja, ich glaube das wird nichts mehr. Der Bau war relativ groß mit vielen Röhren, aber schön frei im Feld gelegen. Warum nur, warum können die blöden Karnickel den nicht einfach springen und ihr Heil in der Flucht suchen? Ist mir egal, auch wenn sie entkommen sollten, aber dieses ständige warten! Der Tag heute hat mich doch schon genug Nerven gekostet. Also zweites Frett rein um mehr Druck zu machen. Weiteres Warten…, nichts passiert. Da meine Frettis nicht mehr heraus kamen, wusste ich aus Erfahrung das sie sicher ein Kanin gepackt hatten. Na, das könnte ja jetzt dauern. Also gab ich Heinz meinen Harris auf die Faust damit ich mich um die Frettchen kümmern konnte und sagte ihm und Lennard, das sie die Vögel fest machen können, da passiert jetzt nichts mehr, wir können froh sein wenn die Frettchen zeitig heraus kommen.

Durch mein Rufen und meinem „Klacker“ (Plastikklacker, Geräusche die ich immer beim Füttern mache) versuchte ich die beiden Frettchen heraus zu locken. Die kamen aber immer noch nicht, dafür sprang plötzlich ein Kanin aus einer Röhre und sprintete über das freie Feld. „Harris los machen, Harris los machen“ rief ich völlig überrascht und verzweifelt und endlich konnten beide Harris so la,la die Verfolgung aufnehmen. Sie stürzten zwar auf das Kanin, aber durch geschicktes Hakenschlagen entkam es, beide Harris saßen auf dem Acker und machten auch keine Anstalten mehr um erneut anzugreifen. Ach ja, ich vergaß zu erwähnen das ein zweites Kanin ebenfalls noch Sekunden später aus diesem Bau heraus flüchtete, und da beide Harris ja ungefähr 150 m entfernt auf dem Acker saßen und es noch nicht einmal mitbekamen, unbejagt über den Acker davon hoppelte! Ist Falknerei nicht toll! Und jetzt kamen auch meine beiden Frettchen aus der gleichen Röhre, wo das zweite Kanin auch nach draußen flüchtete und konnten von mir aufgenommen werden. Na wenigstens etwas, ich hatte schon den Einsatz von Fangreusen, eine eventuelle Nachtwache und eine erneute Fahrt zur Abholung der fest steckenden Frettchen eingeplant. Die Gedanken die man in so einem Moment hat, kennt jeder Falkner der auf Kaninchen mit Frettchen jagt.

OK, ich sah es ein, das bringt nichts mehr, lasst uns aufhören und zurück gehen. Ca. 50 m von unseren Autos entfernt, war aber noch ein länglicher, schmaler Gehölzstreifen mit kleineren Bauen. Während Günther mit Heinz zu dessen Auto ging um einen guten Rotwein zu sich zu nehmen, dachte ich mir, oh, die zwei, drei kleinen Baue könnte ich doch noch schnell mitnehmen! Zwar etwas schwierig wegen der dichten Vegetation für die Vögel, aber machbar. Ich mache es kurz, Petra frettierte, ja Kanin sprangen, und ja oh Wunder die Vögel jagten jetzt auch besser an, leider aber erfolglos. Beide waren kurz davor, das Weib knallte in die dichten Bodendecker und bekam durch diese das flüchtende Kanin nicht zu fassen und der Terzel fing ein Kanin kurz vorm nächsten Bau, dieses klagte kurz auf, aber er konnte es leider nicht fest halten und so entkam es auch.

Dieses Kanin hatte ich schon in der Falknertasche gesehen, ha,ha! Schade, aber ich war mit ihrem Jagdverhalten diesmal wenigstens etwas versöhnt mit den beiden, im Gegensatz zum Vormittag. Aber es lag eindeutig an mir, das sie nicht richtig vorbereitet waren.

Wir machten nun wirklich Schluss, Petra, Lennard und ich könnten uns nun ebenfalls ein Gläschen Rotwein und innerlich war ich nun etwas versöhnt mit diesem Tag. Nachdem wir wieder zurück waren, zauberte Petra ein köstliches Essen für uns alle (Danke!), während wir anderen zwischendurch die Vögel und die Volierenanlagen begutachteten. Bei guten Getränken, (ich musste mich als Fahrer leider zurück halten) dem tollen Essen und vielen Gesprächen wurde es danach langsam Zeit sich wieder auf den Rückweg zu machen. Mit Günther besprach ich auf der Rückfahrt die vielen Eindrücke die uns dieser Tag gebracht hatte und Fotos hatte er ja auch reichlich gemacht. Durch die Gespräche abgelenkt bemerkte ich auch nicht den „Blitzer“ auf der Autobahn, der mir noch ein allerletztes Erinnerungsfoto von diesem wundervollen Tag bescherte. Dies bekam ich dann später zugeschickt, gefiel mir gar nicht, sollte ich allerdings doch schlappe 20,00 € für bezahlen! Und Günther ich muss sagen, Du machst bei weitem bessere Fotos, da sehe ich viel besser darauf aus.

Schön das es noch solche Menschen wie Petra, Lennard, und Heinz gibt, die Falknerei leben, mit denen man sich darüber austauschen kann und diese Leidenschaft selbstlos mit einem teilen. Danke auch an Günther Schöner für die Fotos. Mein Fazit, es war ganz toll diesen Tag gemeinsam mit euch zu erleben,

Lieber Heinz, ganz herzliches Falknersdank für deine Gastfreundschaft!

Berthold Geis
ODF Hessen

 

veröffentlicht am Donnerstag, 18. März 2021