Falke

Schöner wohnen

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Turmfalke erhält Nisthilfe in schwindelnder Höhe

Viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben am Montagmorgen den fahrbaren Steiger am großen Schornstein auf dem Firmengelände gesehen. Bei den anstehenden Baumaßnahmen geht es um technische Dinge. Leuchtreklame, umzusetzende Antennen und neu zu verlegende Blitzableiter. Ein weiteres Teilprojekt ist tierischer Art, erläutert Thomas Andres: „Wir haben eine Nisthilfe für Turmfalken angebracht.“

Im bit-Team arbeitet er als Application Manager Production Planning und Betriebsdatenerfassung. In seiner Freizeit geht er als ausgebildeter Falkner mit seinen eigenen Tieren auf die Jagd. Auf dem Firmengelände beobachtet er seit bald vier Jahren Turmfalken. „Falken bauen selbst keine Nester. Manchmal übernehmen sie verlassene von Krähen oder Elstern. Ansonsten suchen sie sich geeignete Plätze, gern auch in Felsspalten“, erzählt der Fachmann.

Auf dem Firmengelände gebe es einen Nistplatz in einem Lüftungsschlitz am Spänebunker. Wegen der dort regelmäßigen Störungen durch den laufenden Betrieb kein wirklich optimaler Ort zum Wohnen. Das neue Nistangebot hoch oben am Schornstein verspricht für das Tier viel mehr Ruhe. Bauabteilung und Standort-Service haben sich hier für den Naturschutz stark gemacht. Die Arbeit mit der Kamera begleitet hat Fotograf Marco Milic, auf der kleinen Plattform in schwindelnder Höhe: „Man sollte halt möglichst nicht nach unten sehen.“

Abzuwarten bleibt, ob der Turmfalke die Hilfe annimmt und umzieht. Dann steigt auch die Chance, dass sich die unter Naturschutz stehende Vogelart auf dem Firmengelände vermehrt. „Jetzt fängt bald die Balzzeit an. Falkenpaare bleiben ein Leben lang zusammen.“ In der Fachsprache sei der Turmfalke ein Teilzieher, was bedeutet, dass manche Paare dauerhaft am Ort bleiben, während andere weiter ziehen, unter Umständen bis Nordafrika.

Sollten in der neuen Nisthilfe einmal junge Falken schlüpfen, wird es spannend. „Das erste Lebensjahr überstehen nur circa 30 Prozent“, erklärt Thomas Andres. 30 Tage bleiben die Jungtiere im Nest, weitere 30 Tage halten sie sich in der Nähe auf und werden weiter von den Eltern gefüttert. Ein Falkenpaar verzehrt pro Tag etwa 14 Mäuse. Wenn dann üblicherweise zwischen 3 und 6 Junge dazukommen, heißt das also fleißig jagen.

Die Mäusepopulation im Rahmen zu halten und dabei insbesondere geschwächte oder kranke Tiere auszufiltern, gehört zu den Beiträgen der Turmfalken zum ökologischen Gleichgewicht. Manchmal verletzen sich die Jungtiere, bevor sie ihre Flugkunst perfektioniert haben. Wer eines findet, sollte es zu einer Vogelschutzstation bringen. Gefüttert werden sie dort ausschließlich mit rohem Fleisch.

Komturei Niedersachsen
Thomas Andres

veröffentlicht am Donnerstag, 06. April 2017