Falke

Seminar, Der Greifvogel als Patient

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Eine Fortbildung für Tiermedizinische Fachangestellte.

Referentin: Dr. med. vet. Freya Drießen

Unter Mitwirkung von Falknern des ODF Nordrhein-Westfahlen:
Gregor und Iris Klein, Mike Thieke, Bernhard Alsen, Frank Schaumann, Sigrid Euteneuer und Andreas Wagner

Am Samstag den 7. April 2018 fand in den Seminarräumen der Tierklinik Betzdorf von 10-14 Uhr zunächst ein Vortrag von Dr. Freya Drießen statt, an den sich ein Praxis-Teil mit Erfahrungsaustauch und Übungen anschloss.

Frau Dr. Drießen hilft uns jederzeit bei der Behandlung u.a. von verletzt aufgefundenen Greifvögeln. Die Erstversorgung ist dabei kostenlos. Wir sind sehr froh und dankbar dafür eine kompetente Fachfrau für Greifvögel in unserer Region zu haben.

Schwerpunkt der Übungen am Präparat war neben der korrekten Fixierung auch das fachgemäße Handling eines Greifvogels, das sowohl dem Eigenschutz als auch dem Tierschutz gerecht wird.

Nach einer Übersicht über die rechtliche Situation zur Behandlung von heimischen Greifvögeln der streng geschützten Arten der EG Verordnung 338/97 Anhang A wie Mäusebussard, Steinadler, Turmfalke, Rotmilan und Habicht, wurden die einzelnen Arten genauer vorgestellt.

Zur Ordnung der Greifvögel mit ca. 308 Arten werden demnach folgende 5 Familien gezählt:
Neuweltgeier, Fischadler, Sekretäre, Habichtartige, Falkenartige.

Außer Turmfalken und eher selten Wanderfalken aus der Familie der Falkenartigen werden hier hauptsächlich Habichtartige behandelt. Außerdem auch Eulen wie Uhu und Waldkauz.

Unterscheidung von Krankheitsursachen in zunächst zwei Kategorien, der unbelebten a) physikalische (äußere Gewalteinwirkung) und b) chemische (Vergiftungen), desweiteren in belebte Ursachen wie Parasiten von außen (Ektoparasiten) wie Zecken, Milben, Flöhe und Federlinge, und innen (Endoparasiten) wie Würmer, Kokzidien oder Trichonomaden und zusätzlich Pilze, Bakterien und Viren. Desweiteren können Stoffwechselstörungen wie Rachitis, Gicht oder Dicke Hände auftreten.

Häufigster Patient ist mit großem Abstand der Mäusebussard, da er durch seine Lebensweise bedingt oft Opfer im Straßenverkehr wird. Innere Kopfverletzungen kommen regelmäßig vor und können dabei sehr gut durch eine Augenuntersuchung festgestellt werden. Hierauf ist Dr. Freya Drießen spezialisiert. Einfache Knochenbrüche die durch Röntgen festgestellt wurden, können durch schienen oder nageln ebenfalls gut behandelt werden, komplizierte Brüche dagegen kaum. Andere Verletzungen wie Platzwunden werden desinfiziert und genäht oder geklammert, Prellungen und Blutergüsse mit Salben behandelt. In der Regel werden die Greife vorsorglich mit entzündungshemmenden Schmerzmitteln behandelt.

Spät aufgefundene und dadurch stark abgekommene Vögel können beispielsweise durch Zwangsernährung, wie es praktisch von Gregor und Iris Klein am Präparat demonstriert wurde, mit Medikamenten, die aufgelöst auf eine Spritze gezogen an der Zunge vorbei in den Kropf eingegeben, mit Nahrung und Nährstoffen versorgt werden.

Abgebrochene oder anderweitig zerstörte Stoß- oder Schwungfedern werden mit gleichen oder sehr ähnlichen Federn geschiftet, d.h. an einer Stelle der noch vorhandenen Feder wird der Schaft mit einem Skalpell durchgeschnitten und nun an gleicher Stelle der neuen Feder ebenfalls mit dem Skalpell geschnitten.

Jetzt wird die Schiftnadel zuerst an den neuen Teil der Feder eingeführt und vor dem Ankleben mit Sekundenkleber auf korrekten Sitz getestet. Fällt dieser Test zu unserer Zufriedenheit aus, können wir die Feder mit der Schiftnadel und Sekundenkleber in die vorhandene Feder einführen und verkleben. Dabei muss sehr sorgfältig darauf geachtet werden, dass kein Kleber an die benachbarten Federn gelangen kann.

Das sichere Festhalten der Ständer wurde praktisch am Präparat vorgeführt, dies ist eine wichtige Übung im Umgang mit Greifen da die Verletzungsgefahr durch die Fänge für den Hantierenden recht hoch ist. Dabei muss beherzt aber dennoch sensibel und vorsichtig zugepackt werden, was vielen beim ersten Mal sichtlich schwer fällt. Wie so etwas funktioniert, muss man gesehen haben, da der Ablauf schwer zu beschreiben ist.

Zur Freude der Teilnehmer brachten die Falkner vom ODF auch lebendige Greifvögel mit, einen Mäusebussard, einen Turmfalken, einen Uhu und einen Wüstenbussard, um sie vorzustellen und näher zu bringen und auch etwas die Scheu vor diesen Greifen zu nehmen. Viele der Teilnehmer durften beispielsweise den Uhu einmal auf die behandschuhte Faust nehmen. Alle diese Vögel einmal aus der Nähe zu betrachten war für viele das Highlight und sicherlich im Sinne dieser Veranstaltung.

Ein besonderer Dank gebührt Dr. Freya Drießen

Katzwinkel 12.04.18

ODF Komturei Nordrhein-Westfalen
Andreas Wagner

veröffentlicht am Sonntag, 13. Mai 2018